Donnerstag, 22. September 2011

Ein Tag in Amman

Hallo aus Amman,
Heute lege ich einen "Ruhetag" ein. Nach drei Tagen und zwei Nächten in der Wüste wache ich ausgeschlafen auf und frühstücke in aller Ruhe.
Das Frühstücksbuffet hier im "Hisham Hotel" ist wirklich ausgezeichnet, neben dem üblichen "Continental Breakfast" wie man es in jedem Hotel dieser Welt bekommt, sind auch regionale Produkte auf dem Tisch: Hommus, Tahin und verschieden Gewürze und eingelegt Früchte und Gemüse.
Das Näpfchen mit der grüne, ich dachte es ist Kiwi-Marmelade, entpuppt sich als höllisch scharfe Würzpaste aus grünen Chili, Knoblauch, Salz und weiteren scharfen Gewürzen.  Ich hatte das dick auf mein Toastbrot aufgetragen.....
Nach dem Frühstück checke ich noch schnell die Emails gecheckt und dann lasse ich mir  vom Pförtner ein Taxi in die Innenstadt rufen. Nach 10 Minuten fahrt steige ich aus und gleichzeitig in den Trubel einer
arabischen Großstadt ein. Der Verkehr ist zum gotterbarmen, normalerweise müsste es jede Sekunde scheppern - tut es aber nicht. Irgendwie schafft es jeder am anderen vorbeizukommen. Lautes Hupen gehört dazu wie bei uns der Blinker ! Manchmal habe ich das Gefühl, die Fahrer setzen jeden Gedankengang in Hupen um ! Wenn man die Straße überqueren möchte, dann tritt man vor, springt in eine Lücke im fliessenden Verkehr, wird, natürlich, angehupt, der Fahrer bremst und man erreicht genauso die zweite und, falls vorhanden, auch die dritte Spur. meistens ist der rettende Bürgersteig mit einem Gemüse oder Zigarettenstand versperrt, so das man um den Verkäufer herumtänzeln muß. Im stillen hofft man dann, daß man nicht mehr so schnell die Straßenseite wechseln muß.


In den kleinen Läden an der Hauptverkehrstraßein der Nähe des Amphitheaters gibt es alles was das Herz begehrt. Viel Billigramsch aus China ist darunter. An jeder Straßenecke kann man "Armani" Hemden und "Boss" Jacken kaufen.
Kitschige Uhren und grellbuntes Kinderspielzeug ist ebenfalls in Massen zu haben.
Man kann hier Handys in allen Ausführungen kaufen, das muß auch sein, denn ein Jordanier der etwas auf sich hält hat mindestens zwei Handys. Das liegt einfach daran, das das Kabelnetz nicht gut ausgebaut war und das Handynetz schneller als das Kabelnetz aufgebaut wurde.
Stromert man durch die hinteren Gassen so findet man Schneider die vor ihren Geschäften sitzend Kleidung nähen und Geschäfte in denen z.B. alle Arten von Besen angeboten werden. Schuhmacher fertigen Latschen und Schuhe an. Intensiver Kaffeeduft weist auf eine der vielen vorhandenen Kaffeeröstereien hin. In diesen kleinen, engen Geschäften die häfig nur zwei Meter breit sind stapeln sich Kaffeesäcke mit verschiedensten Kaffeesorten und meistens tun große alte Rösttrommeln ihren Dienst. Was für ein Duft !
Auf dem Lebensmittelmarkt der in einer Seitenstraße liegt findet man frisches Obst, Gemüse und Gewürzsorten die ich noch nie gesehen und gerochen habe.

Händler die sich keinen Laden leisten oder bekommen konnten bauen ihre Waren auf dem Bürgersteig oder auf kleinen Plätzen auf. Auch ein "Spezialgeschäft" für Küchenmaschinen ist darunter.

Am Rande der Hauptgeschäftsstraße stoße ich auf das Atelier eines armenischen Glasmalers, dessen Familie vor 60 Jahren von den Russen aus Rußland vertrieben wurde und die nun in Amman beheimatet sind.
Er läd mich zu sich in den Laden ein und er erzählt mir seine Lebensgeschichte. Kurz vor Mittag verabschiede ich mich und suche mir in einer Nebenstraße einen Platz zum Mittagessen.
Ich komme mit einem zufällig vorbeikommenden Profimusiker ins Gespräch, der mir spontan ein Privatkonzert auf seiner "Oude" gibt.

Nachmittags treffe ich noch auf einen Jordanier der in Berlin gelebt hat und fliessend deutsch spricht. Mit dem trinke ich noch Tee und esse zu abnd bevor ich wieder ins Hotel fahre und bei einem kalten Bier in der Hotellounge den Tag ausklingen lasse.

Und Morgen wir wieder Motorrad gefahren !
Bis dahin
Ferdi

Sonntag, 18. September 2011

auf ein Wort zu den Menschen die man unterwegs trifft

Hallo,
zu den Attraktionen hier im mittleren Osten zählen, neben der Landschaft und der Atmosphäre, in erster Linie auch die Menschen. Ich habe kaum jemals herlichere, hilfsbereitere und feundlichere Menschen erlebt.
Das geht auf der Straße los wenn ich mit meinem Motorrad über die Landstraßen fahre.
Sehr oft fährt dann ein LKW ganz dicht von der Seite an mich heran (das ist ja auch nicht gerade ungefährlich !), der Fahrer lässt die Scheibe herunter und brüllt in voller Fahrt: "Welcome", um anschliessend sein Lufthorn erschallen zu lassen. Die ersten Male hat es mich fast vom Motorrad gehauen !
Oftmals fahren auch PKW dicht an mich heran um mir ein "Welcome in Jordan" zuzurufen.

Hier mal einige Beispiele:

In Feynan am Toten Meer ging mir langsam das Benzin aus. Ich halte an einer "Autowerkstatt" und frage den Chef wo denn eine Tankstelle sei. Leider kann er kein Englisch, bedeutet mir aber mit seinen ölverschmierten Händen das ich warten solle. Er geht in seine Werkstatt und kommt mit einem Schlauch raus. Wir gehen dann beide zum Nachbarhaus, er schraubt den Deckel des Benzintanks eines dort stehenden Pickups ab und saugt ca.8 Liter Bezin in einen mitgeführten Kanister. Aus einer Wasserflache aus dem er mit dem Messer den Boden entfernt ist schnell ein Trichter gebaut und damit das Motorrad schnell aufgetankt.




Kurz vor Amman halte ich in al-Yaduda, einem Vorort an um meine Tagesvorräte an Wasser und Lebensmitteln aufzufüllen. Im Laden neben dem "Supermarket" (so nennt wohl jeder Besitzer eines Geschäftes dessen Grundfläche größer als 4m² ist, voller Stolz sein Geschäft) ist eine Bäckerei etabliert.
Ich zeige also auf das Brot, der Verkäufer gibt mir eine ofenwarmes Fladenbrot und ich erkenne an seinem
Handgelenk eine Tätowierung und zwar ein koptisches Kreuz. Ich frage Ihn: "Masri" (Ägypter?) Er antwortet mir in gebrochenem Englisch das er tatsächlich aus Ägypten kommt. Ich habe Ihm dann erzählt,  daß ich vor 30 Jahren mit dem Motorrad  die koptischen Klösterin Ägypten besucht habe. Da freut sich der Bäcker dermaßen das er mir das Brot schenkt. Er lobt Deutschland in den höchsten Tönen und nennt mir einige deutsche Städte, darunter Berlin. Auf meinen Reisen nehme ich immer Postkarten aus Deutschland mit und so gehe ich zu meinem Motorrad und schenke ihm eine Postkarte von Berlin. Total gerührt steht er da und weis nicht mehr was er sagen soll. Ich musste die Karte noch signieren und habe "Greetings to my friend Jakub" darauf geschrieben.


In Amman wollte ich an der "Theodor Schneller School" in deren Guesthouse übernachten. Das war aber voll. So stand ich etwas ratlos da. Da kommt ein kleiner Junge und fragt mich (!) ob er mir helfen könne. Der kleine Kerl ist vielleicht 10 Jahre vielleicht 10 Jahre alt gewesen ! An seinen Augen sah ich, daß er Intersse an meinem Motorrad hat und so habe ich einige Fotos von ihm gemacht und ihn 100m hinten drauf mitfahren lassen.


In Amman esse ich zu Mittag. Da kommt ein Mann mit einem Musikinstrument in der Hand ins Lokal um einen Kaffee zu trinken. Er spricht mich mit dem mitlerweile bekannten "Welcome to Jordan" an und erzaählt mir von seiner Musik und das er professioneller Oude - Spieler (so heisst das Instrument) ist. Spontan packt er das aus und gint mir ein Privatkonzert.


Fortsetzung folgt - garantiert !

Ferdi

vom Toten Meer nach Amman

Grüße aus dem Nahen Osten !
Nach einer unruhigen Nacht in der mir die Hitze am Toten Meer zusetzte und ich des öfteren von einem Rudel streunender Hunde gestört wurde, breche ich auf, um  der zersetzenden Hitze des Wadi Arab zu entliehen.
Ich fahre ein Stück nach Norden und verlassedann die Küstenstraße des Toten Meeres und gewinne schnell an Höhe. Denke ich zumindest. Aber ich muss ja erst einmal von -388m auf Meereshöhe und dann erst beginnt der Aufstieg in kühlere Höhen. An einem besonders schönen Platz direkt am Steilhand hat der jordanische Staat in 2005 ein "Totes Meer Museum" eingerichtet. Ich sehe mir das Museum an und nutze den Rundeweg direkt an den Klippen. Von dort hat man einen fantastischen Rundblick über das Tote Meer und die gegenüberliegende Westbank in Israel.

































Ich fahre durch die wundervolle Gebirgslandschaft. Mir ist es völlig schleierhaft wie in dieser Ödnis die Beduinen leben können, deren Zelte und Camps man häufig sieht.
















Am Macharaeus Tempel treffe ich einen sehr gut englisch sprechenden Mann der als Guide Touristen durch Jordanien fährt.
Aufgrund der aktuelle politischen, gesellschaftlichen und ökonmomischen Umbrüche meiden aber Touristen in diesem Jahr den Nahen und Mittleren Osten. Der Einbruch bei den Touristenzahlen beträgt über 85%. Wir diskutieren in einem Beduinenzelt darüber und er muss dann an den oberen Teil des Wadi Mujib fahren um französischen Touristinnen das Wadi dort zu zeigen. Er läd mich ein hinter ihm herzufahren. Und so komme ich in den Gebuss auf kleinsten Nebenstraßen an den Mujib Damm geführt zu werden.
Wir durchfahren tiefe Wadis in denen ich das erste fliessende Süßwasser seit Tagen sehe. Die Wirkung des Wasser auf die Natur ist grandios: Dattelpalmen, kleine Felder mit Gemüse, Kartoffeln und Zuckerrohr breiten sich in den engen Talgründen aus. Auch für meine von dem grellen Licht der Wüste geblendeten Augen ist das satte Grün eine Wohltat.
Am Mujib Damm noch schnell ein Erinnerungsfoto gemacht und dann fahre ich, versorgt mit 1000 guten Wünschen, Richtung Amman.





































Auf dem breiten Asphalt erreiche ich bald Amman, das ursprünglich auf sieben Hügeln gebaut wurde. Mittlerweile ist dies eine riesige Stadt geworden, die sich weitere 14 Hügel geschnappt hat und weiter wächst.
















Meinen ursprünglichen Plan im Guesthouse der Theodor Schneller Schule zu übernachten musste ich aufgeben, da eine Gruppe Professoren aus Hannover alle Zimmer belegt hat.

Die Schule liegt am Rande von Amman und ist weit mehr als eine Schule. Auf einem Areal, größer als der Vatikan-Staat, leben und lernen hier ca. 160 Jungen im Alter von 6-21 Jahren mit ihrenErziehern, deren Familien und weiteren Mitarbeitern zusammen. Die Kinder sind christliche und muslimische Waisen, Halbwaisen oder kommen aus sozial schwierigen Verhältnissen. In Jordanien haben diese Kinder wenig Chancen. In acht sogenannten Kinderfamilien und zwei Lehrlingsfamilien versuchen die verantwortlichen Erzieher, den Kindern und Jugendlichen familiäre Geborgenheit und eine Alltagsstruktur zu geben.
Vormittags ist für alle Schüler Unterricht, zu dem ca. 50 Tagesschüler aus der näheren Umgebung kommen. Findet man in der Schule auch einige Mädchen, so ist dies für den Internatsbereich nach jordanischem Recht nicht denkbar. Die Schule geht zehn Jahre bis zur Mittleren Reife; danach kann ein Teil der Schüler in eine der Lehrlingswerkstätten übernommen werden. Es gibt insgesamt 60 Ausbildungsplätze in der Schreinerei, der Schlosserei und der KFZ-Werkstatt. Die Chancen für einen guten Arbeitsplatz sind nach
der zweijährigen Ausbildung sehr gut. Nur ein kleiner Teil des Geländes ist bebaut. Neben den Internatsgebäuden, der Schule und den Werkstätten gibt es, fast wie in einem kleinen Dorf, eine Kirche, einen Fußballplatz, ein Schwimmbad, ein Gästehaus, einen Spielplatz und verschiedene Mitarbeiterhäuser. Der Anbau von Olivenbäumen wurde in den letzten Jahren ausgeweitet. Dadurch wird das wüstennahe Gelände begrünt und die TSS-Küche bereichert.

wenn er groß ist will er auch BMW fahren !



In Amman ein vernünftiges Hotel zu finden das sauber und bezahlbar ist, ist nicht sehr einfach. Also rufe ich Achim Vogt an und der organisiert mir innerhalb von 10 Minuten ein Zimmer im Hisham Hotel nahe der Innenstadt, das liegt am 3.Circle und ist wirklich gut und den Preis wert. Nach drei Tagen und zwei Nächten endlich wieder Duschen ! Und Wäsche waschen !
Abends treffe ich mit Achim und wir verleben einen wunderbaren Abend in Amman !
Morgen werde ich mir Amman zu Fuß ansehen. 
Ich bin schon ganz gespannt auf diese quirlige Stadt !
Ferdi


Donnerstag, 15. September 2011

durch das Hochland bis ans Tote Meer

Hallo,
was für eine Nacht ! Ich musste, nach Tagestemperaturen um die 40°C, heute Nacht tief in den Schlafsack kriechen  16° Nachttemperatur kommen einem da schon sehr kühl vor ! Hinter dem Hügel, auf dem ich mein Zelt aufbaute, ging langsam die Sonne auf als ich, natürlich in Jacke, frühstückte. Sobald aber die Sonne da ist brennt sie erbarmunglos heiss herunter.

Auf dem Kings Highway fahre ich nach Norden. Kurz vor dem Weltkulturerbe "Petra" das berühmt ist für seine in den Stein gehauenen Tempel, tut sich auf einmal eine grandioses Tal auf mit einer Aussicht, die Dir den Atem verschlägt. Ich halte erst einmal an und lasse das auf wirken.

















Leider kostet der Eintritt in Petra, das übrigens zu den sieben Weltwundern gehört, 50 JD. Ich habe sowieso keine Zeit einen ganzen Tag dort durchzuwandern um das zu geniessen und somit fahre nach Little Petra, hier ist sozusagen ein mini Dorf in den Stein gehauen. Die Besichtigung ist kostenfrei und man gewinnt einen Eindruck von der Arbeit die dort im Altertum geleistet wurde.



















Nach dem Rundgang fahre ich weiter in Richtung Wadi Arab und erreiche den Talgrund des Jordantales südlich vom Toten Meer. Was für eine Hitze! 46° C zeigt das Thermometer. Die Strasse läuft direkt an der israelischen Grenze leicht abwärts bis auf eine Höhe oder sollte ich besser Tiefe sagen, von -388m unter dem Meeresspiegel. Ich befinde mich am tiefsten Punkt der Erde. Die Atmosphäre ist hier sehr dicht. Mein Motorrad merkt das auch und der Leerlauf liegt bei rund 2000 Upm., normal sind etwa 1100 Upm. Die Hitze ist nicht zum aushalten und ich fahre die nächste Möglichkeit hoch zurück in die Berge. Über At-Tafila erreiche ich den Kings Highway.






















In Al Karak entschliesse ich mich Richtung Westen zu fahren, wieder hinunter zum Toten Meer um im kühlen Wadi Nimrid zu übernachten.
Dies ist aber leider gesperrt und die Einfahrt ist mir verwehrt. Ich fahre also ein Stück nach Norden und vor der Mündung des Wadi Mujib schlage ich mein Zelt am Ufer des Toten Meeres auf. Die Hitze lässt mich kaum einschlafen, nachts fällt das Thermometer nicht unter die 30° Marke. Ausserdem stört ein Rudel streunende Hunde meinen Schlaf, die Viecher haben mich als Fremdkörper ausgemacht den man erst mal 30 Minuten anbellen muß.



Ich habe selten so geschwitzt, hinzu kommt die dichte Atmosphäre, am Toten Meer fühlte ich mich nicht recht wohl.
Morgen geht es nach Amman ! Ich freue mich schon drauf, speziell auch auf Achim, der mir im Vorfeld bei dieser Reise sehr gut geholfen hat.

Ferdi

mit dem Motorrad unterwegs im Süden Jordaniens

Salam Aleikum !
Endlich ! Darauf habe ich lange gewartet mein Motorrad ist gepackt und ich habe das Frühstück in meinem Quartier in Aqaba, zugegeben etwas nervös,  genossen.
Zündschlüssel umdrehen, Choke ziehen und die Maschine springt nicht an. Was ist denn jetzt ? Noch mal versuchen, die gleiche Prozedur. Wieder nichts. Das Motorrad orgelt nur. Ich überlege kurz. Der Schweiß steht mit morgens um 9.00 Uhr schon auf der Stirn und läuft in strömen in meiner Motorradjacke den Buckel hinunter.
Das könnte es sein. Es ist ja jetzt schon 31° Celsius ! Vielleicht meint der Motor er wäre schon warm und benötigt keinen Choke ! Also die Startprozedur ohne Choke. Sofort springt der Motor an und brabbelt leise vor sich hin.

Es geht los ! Ich fahre den Weg hinunter Richtung Küstenstraße und sehe auf der linken Seite einen umgebauten LKW mit dem ein schweizer Ehepaar mit zwei kleinen Kindern auf dem Weg nach Kapstadt ist. Ich hatte durch Achim Vogt erfahren das die beiden gerade durch Syrien gefahren sind und halte also an um die neuesten Infos zu bekommen. Die beiden haben zwar viel Militär gesehen und auch Bewaffnete, sind aber sehr freundlich und gut aufgenommen worden. Das macht mir doch Hoffnung für meine bevorstehende Durchquerung Syriens.
Auf der Küstenstraße biege ich Richtung Süden ab und fahre bis zur Saudi Arabischen Grenze. Vorbei an Hafenanlagen erreiche ich die Grenze nach 20 Minuten.























Die Grenze ist nicht besonderes und so fahre ich die Strasse Richtung Norden um, den eigentlich gesperrten, Südeingang in das Wadi Rum zu erreichen. Ein Militärposten mit umgeschnallter Maschinenpistole sichert diesen Eingang. Ich halte an und erzähle dem Posten das ich in den Ort Tilin möchte, der dort in der Wüste liegt. Ich lobe kurz das Englisch das der Poste spricht (eigentlich sollte ich das nicht loben sondern eher bedauern), er fragt mich ob ich genug Wasser dabei habe und lässt mich passieren. Nach einigen Kilometer Teer und Schotterstrasse erreiche ich schließlich die Piste. Diese ist, wie üblich, mit einem Steinhaufen markiert. Ich habe durch tiefen Sand das Wadi zu kreuzen und fahre dann auf relativ hartem Boden zu zu einer Engstelle. Hier wird der Sand immer tiefer und für mein schweres und bepacktes Motorrad gibt es da kein Weiterkommen. Mit einer leichten, unbepackten Enduro wäre das machbar, evtl auch zu zweit aber allein.... ich gehe da kein Risiko ein. Schiebend und schwitzen kämpfe ich mich zurück und raste ersteinmal erschöpft unter einem Baum.


















Wie schön doch die Wüste ist !
Ich kehre also um, und werde das Wadi Rum von Norden her anfahren. Vorbei am Posten und mit dessen besten Wünschen fahre ich also den Desert Highway nach Norden.
Unterwegs an eine Tankstelle treffe ich 8 englische Soldaten. Wir unterhalten uns und auf meine Frage was sie hier in Jordanien machen, antworten SIe mir ausweichend und erzählen etwas von "exercises". Später in Amman erfahre ich, das englische Spezialeinheiten vom jordanischen Militär in Sachen Terrorismusbekämpfung trainiert werden und zwar  im Hinblick auf die olympischen Spiele in London.

DasWadi Rum ist schnell erreicht und ich fahre es über eine Piste östlich der Hauptstrasse an - ein bisschen Spass muss sein....


















Ich erkunde das Wadi. Tiefer Sand machen für mich das Weiterkommen Richtung Süden zur Lawrencequelle nicht anfahrbar. Das Angebot eines Beduinen mich mit seinem Jeep dorthin zu fahren schlage ich aus - zumal die Bedus etwa 30 JD dafür verlangen.
Ich beschließe, auch wegen der Hitze (das Thermometer zeigt etwa 40°C), ins Hochland zu fahren und mir dort eine Übernachtungsstelle zu suchen. Also zieht es mich Richtung Norden. Noch ein Blick zurück ins Wadi Rum und dann erreiche ich bald den Kings Highway.
 
Auf einer Anhöhe auf ca. 1600m ü.NN schlage ich mein Zelt auf und geniesse bei einer Tütensuppe, Pumpernickel und Putenfleisch mein Abendessen im Sonnenuntergang.

meine BMW, der Mond und und ich
 Morgen führt mich mein Weg ans Tote Meer.

Bis dahin !

Ferdi










Sonntag, 11. September 2011

Eine Reise durch die Zollbürokratie

Hallo,
heute soll es also passieren ! Ich soll lt. gestrigem Telefonat mit dem Schifffahrtsagenten mein Motorrad aus dem Hafen bekommen.

Um es deutlich vorweg zu sagen, ich habe selten so gastfreundliche, nette und hilfsbereite Menschen wie hier in Jordanien erlebt. Ich kann gar nicht mehr zählen wie oft mir aus vorbeifahrenden Autos oder  von Menschen auf der Straße und in den Büros "Welcome to Jordania" oder "Welcome to Aqaba" zugerufen wurde !

Nach dem Frühstück geht es um 8.30 Uhr los.
das ist ein kontinentales Frühstück jordanische Art










Rein ins Taxi und auf zur Schfffahrtsagentur nach Aqaba. Die nette Dame dort sagte alles klar es ist alles in Ordnung, bringt mich zu Ihrem Chef, der teilt mir mit das man nicht zuständig sei, aber gleich 50m weiter gäbe es das richtige Büro für mich. Dort empfängt mich der Chef persönlich und ein Angestellter. Es wird mehrfach hin und her telefoniert und mit bittersaurer Miene erklärt mir der Chef, daß ich mein Motorrad vielleicht erst in 2 Tagen bekomme - aber eben nur vielleicht ! Das heisst eventuell erst in 4 Tagen oder so....

Ich denke die beiden waren geschockt von meinem Gesichtsausdruck und haben mir sogleich einen Kaffee angeboten. Im Kopf habe ich alle Varianten durchgespielt wie man diesen Zeitverzug wieder aufholt. Ich bin dann zum Abschied noch mal in das Büro des Chefs und habe gefragt ob man dies nicht doch noch irgendwie beschleunigen kann, er wäre doch ein einflussreicher Mann und hätte doch Beziehungen.

Seine Miene hat sich sogleich verändert. Er lächelte gütig, telefonierte selbst und dann gab er seinem Angestellten seinen Autoschlüssel und wies ihn an mit mir zum Container Terminal zu fahren und er nannte mir eine Person die wir dort kontaktieren sollten. Und zwar nur diese Dame. Gesagt getan. Ich wurde dorthin chauffiert, wir trafen zwar die Dame nicht an,  aber ihren Mitarbeiter und der teilte uns mit, daß der Container entladen ist und wir das Motorrad holen können. Na also dachte ich, geht doch und sah mich schon im Geiste auf dem Motorrad sitzend die Küste entlangfahren !

Also wieder rein ins Auto und rasch zur Entladestation für Container gefahren. Dort standen zig LKW die darauf warteten entladen zu werden. Mein Chauffeur ging an allen vorbei, ich immer hinter her. Im Büro angekommen stand ein Mann auf, mein Chauffeur und er küssten sich zur Begrüßeng - aha ein Verwandter ! Nachdem ich eine Warnweste und wieder einen Kaffee erhielt ging es ins Lager und tatsächlich meine Kiste mit dem Motorrad stand vor mir !


Äusserlich vollkommen unbeschädigt ! Wie verladen !

Und auch nach dem Öffnen zeigt sich das die Maschine top verpackt war, kein Kratzer dran !

Ich dachte wirklich das es das jetzt ist. rausrollen und losfahren. Doch weit gefehlt ! Der Zollbeamte war nicht im Lagerhaus und so fuhren wir zurück nach Aqaba zum Verzollungsagenten. Der ist im normalen Hafen ansässig in einer Art Containersiedlung. Dort stehen nebeneinander ca. 100 Container in denen jeweils ein Büro mit einem Zollagenten sitzt.



Hier wurde ich von meinem Begleiter "abgegeben" und von nun an hatte ich jemanden zur Seite der mich zwar wie eine Mutter betüddelte (Sandwich, Tee, Kaffee, Wasser) aber leider kein Englisch sprach.
Ich habe dann einige Dokumente unterschrieben und dann ging es ins Zollgebäude.

In der zweite Etage sind wir in ein Büro. Der dortige Wortführer, immerhin ein Stern auf der Schulterklappe und gut Englisch sprechend, schickt uns zurück zum Lagerhaus.

Im Lagerhaus angekommen gab es, natürlich, ersteinmal ein Schwätzchen und einen Kaffee. Dann ging es zurück zur Maschine. Und dann kam tatsächlich der Zöllner ! Der hat sich dann mit wissendem Blick alles aufgeschrieben: von der Fahrgestellnummer, über den Kilometerstand bis hin zum Baujahr. Jetzt, so dachte ich, geht´s los - doch wieder nichts ! Ich musste das Nummernschild abbauen und dann ging es, na wohin wohl ? Zurück nach Aqaba !

Wieder rein in das Zollgebäude zum dem Herrn, der mit dem einen Stern auf der Schulterklappe gesegnet ist. Dieser benötigte  alle Papiere und stellte dann fest, das meine Zulassung im August 2013 abläuft - er sah das am TÜV Stempel. Wie auch immer - das wurde erst einmal eingetragen in irgendwelche Papiere, abgestempelt und beglaubigt. Dann wollte er meinen Fahrzeugbrief haben (ja, er sagte auf deutsch Fahrzeugbrief !). Ich sagte ihm das der in meinem Schrank in Deutschland liegt. "Das ist ein großes Problem" so seine Antwort. Ich machte ihm klar, daß ich in einer Woche wieder nach Syrien ausreisen würde und das man den Brief doch nur zur Anmeldung in Jordanien braucht. Nach endlosen Diskussionen rief er irgendwo an, lachte und stellte mir einen blauen Schein aus und zwar ein zeitlich begrenztes Einfuhrdokument für fremde Fahrzeuge.

Jetzt so dachte ich mal wieder geht´s endlich los. Doch wie immer war der Wunsch Vater des Gedankens ! Jetzt benötigte ich eine jordanische Versicherung. Also los, zur Versicherung. Innerhalb weniger Minuten war die in einem der Container abgeschlossen und dann war erst einmal Mittag. Falaffel-Sandwich, Wasser und Kaffee. Auch das gab es in einem der Container.

So gestärkt ging es in die nächste Runde: Also wieder rein in das Gebäude, in dem der Bürokratismus fröhliche Urständ feiert. Mit der frisch erworbenen Versicherungspolice in der Hand suchten wir erneut den Einsternezöllner auf. Und es gab tatsächlich eine Reihe von Stempeln !

Das, so dachte ich, ist der Durchbruch ! Natürlich nicht !! Es ging ersteinmal runter in den Keller. Dort ist die Kasse.

Hinter Glas und schwer vergittert sitzt dort der Kassierer. Wenn man den Kassierer sieht, dann kann man sich durchaus fragen, ob die Gitter an seinem Käfig ihn daran hindern sollen dort rauszukommen oder andere daran hindern sollen dort hinein zu kommen. Egal, er akzeptiert sogar die Zahlung mit meiner Kreditkarte. Leider stürzt das Kreditkartengerät beim Durchziehen der Karte ab. Beherzt schnappt sich der Kassierer das Gerät, haut es ein- zweimal auf den Tisch und es geht wieder. Na bitte !

Mit der Quittung in der Hand geht es wieder rauf zu zu unserem einsternigen Freund. Alles in Ordnung, Schnell werden noch ein, zwei Stempel auf die Quittung und das Dokument gedrückt und dann sind wir, natürlich noch nicht fertig.

Es geht zum Nachbarbüro dort sitzt, oder sollte ich sagen thront ein Offizier mit 2 Sternen auf der Schulter und einer Zigarette im Mund. Der ist wichtig - das sieht man an der Miene die er macht und an dem Verhalten seiner ihn umgebenden Hilfspersonen. Natürlich hat er etwas zu beanstanden. Irgendetwas passt ihm nicht. Also lässt der Zweisternige den Einsternigen rufen und nach einer langen Diskussion muss es auf einmal sehr schnell gehen. Es ist in der Zwischenzeit 15.30 Uhr geworden und der Feierabend ruft.

Also im Eselsgalopp nochmal in den Keller, dort wird irgendein Dokument ausgedruckt. Weil es schon 15.31 Uhr ist muss der zuständige Zöllner erst noch mit Engelszungen überredet werden das Dokument noch abzustempeln. Am Ende geht auch das.

Also wieder raus auf den Parkplatz und wir fahren wieder zum Lagerhaus. Das Motorrad steht dort noch in der Kiste. Die Temperatur im Lagerhaus dürfte mittlerweile über 40° Celsius liegen, die Sonne schien dort den ganzen Tag drauf. Buchstäblich in einer Pfütze von meinem Schweiß stehend schraube ich das Nummernschild wieder an und fange an das Motorrad zu komplettieren, ich hatte ja zum Transport die Spiegel und andere gefährdete Teile abgebaut.

Schnell noch den Zollagenten neben das Motorrad gestellt und ein Foto gemacht für die Nachwelt:



Und dann geht´s endlich los ! Dachte ich !! Ich habe schon die Stiefel an den Füssen, die Jacke angezogen und meinem Helfer das obligatorische Bakschisch in die Hand gedrückt, das schellt sein Handy. Sein Chef hat festgestellt, das noch die Motornummer nicht von dem ersten Zöllner aufgeschrieben wurde ! "Kein Problem, ich lese die eben ab und nenne die am Telefon" sage ich zu seinem Chef. Der erklärt mir das das nur ein Zöllner darf ! "Ja dann her mit dem Burschen" sage ich zum Chef. Schade nur das die Zöllner gerade Schichtende hatten und keiner mehr da ist.

Die nächste Schicht beginnt erst um 19.30 Uhr. Mittlerweile war es 17.45 Uhr. Ich habe mich dann zum Hotel zurückbringen lassen und mich für 19.30 mit meinem Chauffeur verabredet das er mich zum Lagerhaus zurückfährt und wir die Motornummer dann vom Zöllner ablesen und aufschreiben lassen. Punkt 20.30 Uhr kommt mein Fahrer dann und wir fahren wieder zum Lagerhaus. Die Maschine steht da und wartet auf mich - nicht aber der Zöllner ! Der war kurz da, hat seine Handynummer hinterlassen und ist nach Hause gefahren. "In zehn Minuten bin ich da" teilt er uns mit nachdem wir ihn angerufen haben und tatsächlich nach einer dreiviertel Stunde taucht er auf.

Die Motornummer interessiert ihn überhaupt nicht, stattdessen versucht er den Motor mit dem Rahmen zu verplomben ! Er hat dann die linken Stösselrohre gegeneinander verplombt - von mir aus. Soll er machen was er will. Mittlerweile machen wir seit 12 Stunden rum - da kommt es auf eine falsch gesetzte Plombe auch nicht mehr an. Ich lobe ihn dann noch für sein technisches Verständnis, starte den Motor und fahre los.

Scheiße - vorne Platt und hinten wenig Luft. Aber ich denke bloß weg hier ! Ich fahre dann rein nach Aqaba zur Tankstelle, die haben aber kein Luftdruckgerät. Ich tanke voll und nehme meinen mitgebrachten Kompressor zum aufpumpen

Gegen 22.15 Uhr bin ich wieder in meiner Unterkunft. Jetzt könnte ich ein Bier gebrauchen.....

Samstag, 10. September 2011

Aqaba...unfreiwillig ein Tag Pause

Hallo aus Aqaba,
eigentlich sollte ich heute mein Motorrad bekommen. Alles war eingestielt und im Vorfeld weitestgehend besprochen. AAAAAber der Herr der Schifffahrtsagency in Amman hat heute nicht gearbeitet. Also hole  ich mir meine BMW morgen. Das Taxi zur Vetretung hier in Aqaba ist schon für 9.30 Uhr bestellt.
Das gab mir also Zeit andere Dinge zu erledigen. Geld holen zum Beispiel - schade nur das der Automat meine Bankkarte beim zweiten Versuch gefressen hat.... Eine Prepaidkarte für mein Handy habe ich mir auch besorgt, da kann ich dann erheblich billiger hier im Land telefonieren. Also rein in den ersten Telefonladen: der konnte aber nur die Aufladung einer vorhandenen Prepaidkarte durchführen. "Kein Problem Mister", so seine Aussage,"der Nachbar, der hat SIM-Karten", Also rein in den zweiten Telefonladen. "Karten hatte ich noch nie, aber der Laden dort hinten links, der hat Karten" Nett sind die Jordanier wenigstens. Also rein in den dritten Laden. "Mister my Friend, Yes I can help You". Endlich ich dachte schon Prepaidkarten in Jordanien seien Potemkinsche Dörfer. Er packt also eine Karte aus während ich meinen Reisepass aus der schweissnassen Hosentasche fummle. "I activate it for You". Er holt also ein altes Handy raus steckt die Karte rein und versucht das DIng per Ferndiagnose zu aktivieren. Funktioniert (soll ich sagen natürlich ?) nicht. Also holt er ein neuere Gerät aus der Ecke. Wahrscheinlich hofft er, das dieses ihn besser versteht. Was soll ich sagen ? Auch das geht nicht. Er ergibt sich und gibt den Kampf mit dem Sprachcomputer am Ende der Leitung auf. "My Friend doesn`t understand me today" - Aha einen Sprachcomputer als Freund...seltsam diese Jordanier. Vielleicht hätte der Sprachcomputer ihn ja verstanden wenn er statt das Handy zu wechseln einfach die Kippe aus dem Mundwinkel genommen hätte - aber sag mal was ! Rechts um die Ecke bin ich dann seinem Tip gefolgt und habe den vierten Telefonladen betreten. "Ja Mister die habe ich. Kein Problem, zum aktivieren gehst Du dann 50m die Straße hoch, da ist die Hauptstelle der Telefonkartenfirma und da kannst Du das machen" Also endlich 3 Dinar auf den Tischgelegt, SIM-Karte eingelegt bekommen und dann im fünften Laden das Ding auch aktiviert bekommen.
40° Hitze hatte ich heute hier. Fast 5 Liter Wasser habe ich getrunken. Gott sei Dank gibt es hier kein Bier ! Das hätte ich nicht lange durchgehalten.
Hier mal wieder ein paar Bilder - frisch aus Aqaba sozusagen:

am Strand, im Hintergrund Sinai/Ägypten

ein Paradies für die Damen - Schuhe in Hülle und Fülle


Sonnenuntergang am Hotelpool mit Blick Auf den Sinai und EIlat/Israel